Ein tragisches Ende

Hallo erst mal,

bevor ihr jetzt alle vom Titel schockiert seid, ich habe eine Kurzgeschichte geschrieben im Krankenhaus. Die Idee dafür hatte ich schon vor ein paar Wochen mal, aber da hatte ich noch nicht so richtig die Idee zum Schreiben und ob ich die Zeit hatte, darüber lässt sich streiten. Jedenfalls lag ich dann am Sonntag total gelangweilt in diesem Krankenhausbett, habe die Informationsblätter gelesen über die Operation, die ich ja eventuell bekommen sollte, aber nicht bekommen habe, und über die Narkose. Letztlich wieder alles umsonst gelesen, aber immerhin kam ich so wieder auf den Gedanken für die Geschicht und eh ich mich versah war sie schon geschrieben :p

Der Titel ist übrigens recht spontan grade gewählt worden, wie das halt so ist mit Titeln und mir, aber ich denke den kann man lassen.

Ein tragisches Ende

Alles sollte gut werden. Die Operation würde nicht kompliziert, aber wie bei jeder OP konnten natürlich Komplikationen auftreten. In diesem Falle wäre es aber sehr selten, das war es zumindest, was man ihm gesagt hatte. Aber natürlich war es anders gekommen. Es gab Komplikationen. Komplikationen mit denen niemand gerechnet hatte. Es war zu stärkeren Blutungen gekommen, alles nicht weiter schlimm hatten die Ärzte gesagt. Man hatte ihm einfach eine Bluttransfusion gegeben.
Er hatte überlebt, doch das er nie wieder leben konnte, damit hatte niemand gerechnet.
Zwei Jahre war es nun her. Seit zwei langen Jahren hatte er die alles verändernde Diagnose. Vor zwei Jahren hatten es ihm die Ärzte gesagt. Zwei Jahre, in denen er als schwul beschimpft wurde. Zwei Jahre mit der Diagnose HIV positiv.
Alles wegen einer Transfusion. Eine Transfusion, die alles verändert hatte. Seine Frau mit seinen zwei Kindern war weg. Sie hatten ihn verlassen. Niemand glaubte, dass die Halbgötter in weiß einen Fehler hatten machen können. Niemand hörte auf ihn, wenn er erklärte, dass er nie mit einem Mann geschlafen hatte. Jetzt war er allein, weil auch seine Frau nicht hatte zuhören wollen. Nein, niemand wollte seine Stimme hören. Seine Freunde hatten den Kontakt abgebrochen, mit einem schwulen Ehebrecher wollten sie nichts zu tun haben.
Ja, er war wirklich alleine.
Nie hatte er etwas gegen Homosexuelle gehabt, doch inzwischen, da alle ihn mieden, hegte er einen gewissen Groll. Er selbst wusste, dass es unfair war. Niemand außer dem Krankenhaus konnte etwas dafür. Hin und wieder sah man ihn sogar allein in einer Schwulenbar sitzen. Da er aus allen anderen Kneipen verdrängt wurde, blieb ihm nur noch diese. Auch versuchte er so gegen seinen Groll anzukämpfen, denn diese Menschen waren nicht schlimm. Sie waren sogar nett.Trotzdem saß er immer allein an der Theke. Inzwischen kannten ihn jeder, jeder kannte sein Schicksal und die meisten zeigten sogar Verständnis für sein Empfinden ihnen gegenüber. Natürlich waren sie nicht begeistert, doch sie konnten verstehen, dass er es hatte für schwul gehalten zu werden, obwohl er es nicht war und vor allem konnten sie den Groll verstehen, weil alle ihn allein gelassen hatten. Zudem war er nie beleidigend ihnen gegenüber. Zurückhaltend und ein wenig abweisend vielleicht, aber mehr auch nicht. Deshalb hatten sie ihn aufgenommen, als er nichts mehr hatte. Er hatte wirklich nichts und niemanden. Sie hatten versucht ihn aufzubauen und manchmal hatte er sogar gelächelt, doch es war nie etwas wirklich zu ihm hindurch gedrungen.
Und so kam es, dass er eines Tages von der Polizei mit aufgeschnittenen Pulsadern gefunden wurde. Der Besitzer jener Schwulenbar hatte ein komisches Gefühlt gehabt, weil er ihn schon lange nicht mehr gesehen hatte und Alarm geschlagen. Nun war er tot. In seinem Abschiedsbrief hatte er geschrieben, dass er hoffte mit dem Blut auch den Virus loszuwerden, damit er nach zwei Jahren der Einsamkeit, Verachtung und Qual, wenigstens in der Ewigkeit erlöst war.
Erlöst von all der Schmach.
Erlöst von diesem einen Fehler der Ärzte.
Erlöst von HIV.
Auf seiner Beerdigung waren lediglich einige, die ihn aus der Bar kannten. Niemand seiner alten Freunde, niemand aus seiner Familie. Er hatte die Männer aus der Bar als seine neue Familie angesehen, so stand es in dem Brief, doch sein Leid hätten sie ihm nicht nehmen können, niemand hätte das gekonnt.
So nahm er sich das Leben, das die letzten zwei Jahre eh nur ein Überleben gewesen war.

Zugegeben die Geschichte ist deprimierend, aber ich fand es auch deprimierend, als ich für die Ausbildung gelernt habe und Homosexuelle bei den Risikogruppen von Aids auf einer Stufe mit Prostituierten und Drogenabhängigen standen.
Die Geschichte spielt, wie man sich vielleicht denken kann zu der Zeit, als Aids zwar bekannt war, aber man noch kaum etwas über die Krankheit und den Virus wusste.
Ich hoffe euch hat die Geschichte Gefallen, auch wenn sie eine weniger schönes Thema hat und nicht den tollsten Verlauf, aber so ist das Leben. Es kann nicht immer alles super sein, so sehr man sich das auch wünscht.

So viel wieder von mir

Eure
Fissel

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