Vom Opfer zum Täter

Hallo erst mal,

wie ja bereits erwähnt war ich diese Woche wieder in Mainz an der Uni. Vielleicht erinnert ihr euch noch daran wie oft ich mich über das Studium aufgeregt habe, wenn nicht kurze Zusammenfassung:

Die erste Woche war voll okay, die zweite fand ich dann ziemlich doof, da ging es mir aber auch nicht so gut, die dritte Woche fand ich ebenfalls grausam, wo ich wirklich überlegt hatte aufzuhören. In der vierten Woche war ich auch fest davon überzeugt alles hinzuschmeißen, aber meine Mitstreiter haben mich da behalten und so kam es, dass nun meine fünfte Woche war. Dieses mal war ich davor schon nicht tierisch unmotiviert, sondern relativ neutral eingestellt und jetzt wo die Woche fast rum ist muss ich sagen, dass es diesmal kein bisschen schlimm war. Es war ziemlich interessant und ging ziemlich schnell rum, es hat sogar ein bisschen Spaß gemacht 😀
Nervig war es zwar noch, dass wir immer so lange Uni hatten, aber wenn das Semester nur zwei Wochen hat, kann man wohl nicht so viel erwarten in der Hinsicht. Fakt ist, es war diesmal echt vollkommen in Ordnung und hat mich nun zu diesem Beitrag inspiriert.

Wir haben in dem Seminar für ökologische Entwicklungspsychologie nämlich darüber gesprochen, wie man vom Opfer zum Täter wird. Als Beispiel haben wir den Fall des Jürgen Bartsch besprochen.
Kurze Zusammenfassung des Falls:

Jürgen Bartsch wurde als Karl-Heinz Sadrozinski geboren. Sein Vater unbekannt und seine Mutter erkrankt an Tuberkulose, sie verstirbt kurz nach der Geburt des kleinen. Karl-Heinz verbringt sein erstes Lebensjahr im Krankenhaus. Eine Metzgerspaar, die keine Kinder bekommen können, wollen den kleinen adoptieren. Nach dem notwendigen Papierkram können sie den kleinen mitnehmen. Er wird umbenannt zu Jürgen. Jürgen Bartsch.
Die Familie hat wenig Zeit für das Kind, durch die Arbeit. Von der Mutter wird der Junge regelmäßig geschlagen, er hat ständig blaue Flecken und der Vater sagte einst „Ich muss heim, sonst schlägt sie das Kind tot.“.
Die Familie schickt ihn aufs Internat
Mit 15 Jahren beginnt Jürgen auf Jahrmärkten Zuckerwatte an Kinder zu spendieren, entführt sie und quält sie dann in einem Keller zu Tode. 19 ist er  als einem Kind die Flucht gelingt, worauf hin Jürgen gefasst wird. Bis dahin hatte er vier Kinder auf grausame Weise umgebracht.
Er wurde zu vier Mal lebenslang verurteilt. Nach längerer Haft wird er in eine geschlossene Psychiatrie überwiesen, dort lernt er eine Frau kennen und sie heiraten oder wollen es zumindest.
Schließlich starb Jürgen Bartsch bei einer Operation, als er sich sterilisieren lassen möchte, an der zehnfachen Menge an Betäubungsmittel wie eigentlich erlaubt war.

Zugegeben die kurze Zusammenfassung ist doch länger als eigentlich geplant…
Jedenfalls hatte Jürgen Bartsch eine schwere Kindheit, eine zutiefst traumatisierende Kindheit. Er war ein Opfer, das ist gar keine Frage, doch meiner Meinung nach rechtfertigt das sein Verhalten nicht. Es ist doch immer wieder so, dass man von Kindern hört die geschlagen und misshandelt werden. Für diese Kinder wird es schwer das Geschehene wieder aufzuarbeiten und wenn ihnen das nicht gelingt ist es sehr wahrscheinlich, dass sie seine psychische Störung erleiden. Das können Depressionen, Essstörungen, Angst, Drogenmissbrauch oder noch viel komplexere Dinge sein. Und dann passiert sowas, wie im Fall Jürgen Bartsch.

Das ist keine Rechtfertigung oder Entschuldigung, lediglich eine Erklärung. Aber es sind doch alle immer so bestürzt, wenn sowas passiert wie ein Amoklauf und klar das ist grausam, aber niemand denkt darüber nach wieso der Täter so etwas tut, dass es meistens die Menschen sind, denen es wirklich schlecht geht. Wie gesagt: Keine Entschuldigung.

Aber dennoch sollte man mal allgemein darüber nachdenken, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht. Wie Eltern ihre Kinder erziehen und behandeln. Man sollte es nicht ignorieren, wenn man merkt jemand wird gemobbt oder geschlagen. Und wenn man es doch ignoriert, dann seid nachher nicht immer so schockiert, wenn diese Person sich mal wehrt oder sich selbst zum Täter macht.

Zwar versteh ich noch immer nicht, wie man anderen so etwas antun kann, wo man doch selbst weiß wie sich das anfühlt. Es gibt einem das Gefühl von Macht und es gibt einem Genugtuung, Rache und was weiß ich nicht noch, aber Fakt ist, mir geht das einfach nicht in den Kopf.

Alles in allem: Seht nicht weg wenn jemand ungerecht behandelt wird, denn sie tragen einen viel größeren Schaden davon, als die kleine emotionale oder physische Wunde, die wir sehen.

So viel wieder von mir

Eure
Fissel

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