Intensivstation

Hallo erst mal,

mein Urlaub ist jetzt seit einer Woche vorbei und ging irgendwie viel zu schnell rum… Jetzt bin ich auf der Inneren unterwegs und helfe meinen Patienten so gut es geht oder wie sie sagen ich quäle sie… Kein Plan was die eigentlich wollen, ich bin immer voll liebevoll und nett! Gut sie meinen es ja nicht so. Eine Patientin nennt mich liebevoll ihren „Quälgeist“, aber sie hat ihrer Zimmernachbarin auch erklärt, dass ich ne ganz liebe bin *-* :3
Und ansonsten sind die mit denen ich auf Station bin auch ziemlich cool. Auch die aus dem anderen Kurs sind alle voll lieb und ich versteh mich eigentlich echt gut mit denen 🙂

Aber ich tingel nicht nur oben auf der Station rum, sondern auch auf der Intensivstation. Was soll ich sagen, da macht das behandeln irgendwie mehr Spaß als auf Station. Allerdings ist auch schon einer meiner Patienten gestorben und ich glaube nicht, dass es der letzte gewesen sein wird.
Weshalb ich nun eigentlich auf die Idee gekommen bin nochmal zu schreiben… Ich habe mich gefragt, was die Menschen auf der Intensiv wohl so denken und ich meine jetzt nicht die Wachen, sondern die, die nicht wach sind, die die beatmet werden… Man fragt sich ja immer, wie viel die Leute mitbekommen und ob sie was mitbekommen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie sehr viel mitkriegen. Und was ist mit den Patienten, die zwar noch beatmet werden, aber die Augen öffnen? Die bekommen ja wirklich alles mit. Wir haben so eine Patientin und ich frage mich, was sie immer denkt. Sie versucht auch immer wieder mit uns zu reden, was aber ja nicht funktioniert, da sie noch beatmet wird. Dann merkt man hin und wieder, wenn sie keine Lust hat, dann spannt sie dagegen, wenn wir versuchen sie zu bewegen und rollt mit den Augen, aber wenn wir ihr nochmal erklären, warum wir das machen und dass das wichtig ist, damit sie sich wenn sie aus dem Krankenhaus kommt noch bewegen kann, dann lässt sie uns gewähren. Jedenfalls habe ich mich gefragt was sonst noch so in ihrem Kopf vor geht und so kam ich dann irgendwann nach Feierabend dazu einen kleinen Text zu schreiben, als ich in meinem Zimmer auf dem Boden lag und zur Decke starrte. Aber lest einfach selbst:

Gefangen im Körper

Ich starre zur Decke, ein leichter Nebel davor. Gedämpfte Geräusche. Stimmen, doch ich kenne sie nicht. Jemand sagt meinen Namen. Ich möchte antworten, aber ich kann nicht, meine Lippen bewegen sich, nicht fähi einen Ton zu produzieren. Ein Gesicht beugt sich über mich, eine junge Frau, sie spricht zu mir. Ich verstehe sie nicht. Eine samfte Berührung am Arm, dann ist sie wieder weg. Ich möchte meinen Arm heben, meine Gedanken, alles konzentriert sich auf meinen Arm, doch ich merke, dass er sich nicht bewegt. Tränen laufen über meine Wangen. Ich möchte schreien, doch es geht nicht. Möchte weg, aber ich kann nicht.
Um mich höre ich ein Piepen. Es ist sehr rhythmisch:
„Piep…Piep…Piep…“
So geht das schon seit einigen Tagen. Das Gesicht der jungen Frau erscheint wieder vor mir, sie sieht besorgt aus. Ich möchte ihr helfen. Was hat sie bloß? Wieso sieht sie so traurig aus? Ich habe das Gefühl sie schon mal gesehen zu haben. Ihre Augen, die Gesichtszüge… Sie sieht aus, wie ihre Mutter, ja sie siehr mir ähnlich… Ich möchte sie in den Arm nehmen, ihr sagen, dass alles gut wird, doch ich kann es einfach nicht. Mein Körper will mir nicht gehorchen. SIe weint und ich merke, wie auch mir die Tränen wieder übers Gesicht laufen.“Piep…Piep…Piep…Piiiiieeeeep“
Noch einen Moment, der mir wie eine Ewigkeit vorkommt, höre ich dieses letzte langgezogene Piepen, dann ganz plötzlich ist alles still…

Der Text ist nicht sonderlich fröhlich, aber das würde wohl zu dem Thema auch nur in den seltensten Fällen passen…

So viel wieder von mir

Eure
Fissel

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Ein Gedanke zu “Intensivstation

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